Vom Boss lernen – Olaf Gottgens

Vom Boss lernen – Olaf Göttgens

Neue Serie: Vom „Boss“ lernen Teil II

Mein Chef war mir immer auch Mentor. Ihm über die Schulter zu schauen, hat Räume für meine eigene Entwicklung geöffnet.

Meine Chefs haben meinen Weg geprägt. Deshalb möchte ich in dieser Serie einige von ihnen vorstellen – immer aus der Perspektive: Was durfte ich von ihnen lernen?

Nach Dieter Schweer geht es heute um Olaf Göttgens. Von ihm habe ich gelernt, dass #Exzellenz kein Zufall ist, sondern eine Haltung.

Olaf Göttgens – CEO der BBDO Gruppe

Olaf war damals CEO der BBDO Gruppe. Er war eher kein lauter Mensch, dennoch voller Kraft. Aber sein Anspruch an Qualität war kompromisslos. Nicht nur in der Strategie, sondern bis ins Detail. Zwei Begegnungen mit ihm haben mein berufliches Leben verändert:

1️⃣ Die erste

Eine einzige PowerPoint-Seite. Olaf kam in mein Büro, zog eine Folie aus einer Mercedes-Präsentation und fragte: „Christian, was kostet diese Seite?“ Ich verstand die Frage nicht. Also rechnete er vor: Gesamthonorar des Projekts geteilt durch die Anzahl der Folien. Das Ergebnis: Diese eine Seite hatte den Wert einer Mittelklasse-Limousine.

Dann schaute er mich an und fragte: „Ist diese Seite diesen Preis wert?“ Und sofort danach:
„Warum fehlt hinter der Headline der Punkt? Warum stimmt der Zeilenabstand nicht?“
In diesem Moment verstand ich etwas Grundsätzliches: Unsere Kunden bezahlen keine PowerPoint-Folien. Sie bezahlen Klarheit, strategische Substanz und handwerkliche Exzellenz.

Seit diesem Tag sehe ich jede Präsentation mit den Augen des Kunden. Ich überarbeite finale Präsentationen mehrfach und stelle mir bis heute dieselbe Frage: Ist diese Seite ihren Preis wert?

2️⃣ Die zweite Begegnung war nicht weniger prägend.

Wieder ging es um eine Vorstandspräsentation für einen DAX Riesen. Wochenlange Analyse, sauber aufgebaut, aus meiner Sicht perfekt. Olaf nahm den Ausdruck in die Hand – und las ausschließlich die Überschriften der einzelnen Seiten. Nach wenigen Minuten „legte“ er den Stapel in den Papierkorb. „Christian – das ist nichts.“

Was ich für eine schlüssige Argumentation hielt, war aus seiner Sicht falsch aufgebaut. Er erklärte mir das Pyramidale Prinzip: Eine gute Präsentation beginnt nicht mit der Analyse, sondern mit der Erkenntnis. Erst die Antwort, dann die Herleitung. Situation. Complication. Question. Answer – PUNKT.

Zum ersten Mal verstand ich, dass eine Präsentation keine Dokumentation ist. Sie ist Dramaturgie. Sie muss den Empfänger führen und nicht den Denkweg des Autors nachzeichnen.

Seitdem frage ich mich bei jeder Präsentation: Was muss mein Gegenüber in den ersten Minuten verstehen? Olaf hat mich oft an meine Grenzen gebracht. Heute weiß ich: Sein Anspruch war nie Selbstzweck. Er galt immer der Qualität unserer Arbeit – und damit dem Respekt gegenüber unseren Kunden. Danke, Olaf.

In der nächsten Folge geht es um einen DAX-Vorstand. Seinen Namen werde ich bewusst nicht nennen, denn dort geht es um kritische Erfahrungen. Das Learning daraus hat meine Arbeitsweise jedoch mindestens genauso stark geprägt.

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Marken- und Digitalisierungsexperte.
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