Screenager – Im Visier der Displays.

Digitalisierung

Wer in den Weihnachtstagen die Zweitverfilmung von „Total Recall“ mit Colin Farrell gesehen hat, der hat Einblicke in die Kommunikation der Zukunft genossen. Überall waren Informationen auf „Screens“ abrufbar. Textilien, Handflächen, Hauswände, Böden, Autoverglasung – quasi alles wurde nach Bedarf zur Projektionsfläche für digitale Kommunikation bzw. Interaktion.

Zudem hat jüngst eine Serie der Welt am Sonntag gestartet, die sich mit Licht (LED) und den Lichttrends der kommenden Jahre beschäftigt. Erste reale Szenarien sind kommunizierende Teppiche oder Tapeten, die als Megadisplays für jegliche Kommunikation bzw. Visualisierung genutzt werden können (bereits 2012 erschienen erste Beiträge in Architekturumfeldern: Architects Paper stellt LED Tapete vor).

Microsoft beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema mobiles Internet und der Steigerung der Produktivität durch eine vollständig vernetzte Welt. 2011 hat das Unternehmen ihre Vision einer besseren Welt in einem Film veröffentlicht. Auch hier wird deutlich, dass die Omnipräsenz von Displays ein wesensprägendes Merkmal unserer zukünftigen digitalen Interaktion sein wird.

Vor allem der Megatrend „Wearables“ verleiht dem Thema tragbare bzw. mobile Computersysteme und Internetanwendungen einen ganz neuen Schwung. Eine hervorragende Zusammenstellung der relevanten Anwendungsgebiete liefert Beecham Research unter dem folgenden Link. Review of the Wearable Technologies Conference 2013. Auffällig ist, dass fast alle Entwicklungen immer auch mit der digitalen Visualisierung der jeweiligen Anwendung zutun hat.

Wie beeinflusst die „Screenisierung“ unser Leben und Arbeiten?

Aus meiner Sicht stimmt die These, dass sich die Jugend immer mehr zu „Screenagern“ entwickelt bzw. entwickelt wird. Die ständige Verbindung und der Zugang zum Internet wird zu völlig neuen Anwendungen und Geschäftsmodellen führen. Auch das Marketing wird zunehmend davon betroffen und sucht schon heute seine Rolle im Rahmen dieser technologischen Revolution.

Je mehr Screens, desto besser?

Sicherlich verdienen Werbe- und Mediaagenturen sich eine goldene Nase, wenn sie auf das derzeitige Inn-Thema „Multiscreen-Kampagnen“ setzen. Fachmedien und Marktforschungsinstitute wie Nielsen mischen ebenfalls kräftig die Werbetrommel, wenn es darum geht, zu postulieren, dass mehr Screenwahrnehmung nachweislich zu mehr Markenwahrnehmung- und –beliebtheit (!) führt (führen soll).

Die große Idee hinter solchen Multiscreen-Kampagnen ist, die Kunden entlang der „Customer Journey“ zu begleiten und sequentiell dem Kunden quasi eine „Geschichte“ in mehreren Teilen situativ angepasst anzuwerben. Ausspielung über mehrere Screens steigert Markenwahrnehmung

Aus meiner Sicht ist ein Mehr an Screens und eine Penetration entlang des Kundenentscheidungspfades jedoch nicht die richtige Antwort auf die stetig steigenden und ansteuerbaren digitalen Begleiter der Menschen. Ich glaube, wir befinden uns erst am Anfang einer Suche, wie das Marketing wirklich nachhaltigen Mehrwert aus den technischen Möglichkeiten generieren kann. Kommunikative Penetration kann es da nicht sein. Vielmehr sind nutzwertige Szenarien gefordert, die in sich für die Zielgruppen mehrwertig sind. Denn was einen Nutzen in sich trägt, wird auch angenommen, geteilt, oder sogar aktiv gesucht.

Anbei einige Beispiele von Screen-Versuchen, die überraschen. Es fehlt ihnen aber teilweise noch der wahre Mehrwert, und sie sind eher als Spiel mit den neuen technologischen Möglichkeiten zu werten:

Kleiderkauf nach Meinung der Masse

Kleiderkauf nach Meinung der Masse - Screen

Nicole Scherzinger nimmt sich Deine Botschaft zur Brust

Nicole Scherziger nimmt sich Deine Botschaft zur Brust

Werbung in Deiner Gewichtsklasse

Werbung in deiner Gewichtsklasse

Digital T-Shirt – Dein digitales Statement

Interaktives Schaufenster

Schaufenster wird Spielekonsole

Fazit: Screens werden uns immer mehr umgeben. Sie werden in unsere Umfelder quasi eingewebt, ob wir wollen, oder nicht. Das Marketing ist aufgefordert, sinnvolle und nützliche Anwendungen zu entwickeln, statt auf jede weitere Kontaktmöglichkeit werblich zu springen. Nicht die Penetration macht erfolgreich, sondern der kreative und sinnstiftende Umgang mit den neuen Möglichkeiten.

Ähnliche Artikel

David gegen Goliath!

Brand driven Sales – Marken und Vertrieb wachsen zusammen

Die richtige Botschaft zur richtigen Zeit

Got Something To Say: