Timeline für die Katz‘

Vision

Wie kreative Unternehmer das „Internet der Dinge, Tiere und Banalitäten“ für sich nutzen

Manche Visionen und Geschäftsideen liegen näher als man denkt – dabei müssen Trends nur weitergesponnen und vorhandene Techniken verbunden werden. Ich habe im Internet einige solche Kombinationsmöglichkeiten gefunden, die sich unendlich weiterdrehen lassen. Die Zutaten: das „Internet der Dinge“, soziale Netzwerke, Mitteilungsbedürfnis, Automatisierung und ganz, ganz viele Tiere. Vorzugsweise Katzen und Hunde.

Meine Behauptung: Die Menschen werden in Zukunft nicht nur ihr eigenes Leben immer öffentlicher machen, sondern weitestgehend automatisiert auch das ihrer Haustiere und Gegenstände, bis hin zur eigenen Identität und Zeitleiste auf sozialen Netzwerken. Statusmeldungen der Tiere und Objekte werden anhand von Ort, Zeit und Ereignissen ausgelöst, ohne das der Besitzer eine Profiländerung eintippen muss. Die Technik dafür ist vorhanden, jedoch nicht konsequent zu Ende gedacht.

Für Unternehmen – zum Beispiel Hersteller von Tierspielzeug – bieten sich dadurch Chancen auf einem umsatzstarken Markt mit hoher Viralität. Es werden neue Plattformen, Geräte und Dienste benötigt. Um die Ideenfindung und den Start zu erleichtern, habe ich für diesen Artikel einige kreative Ansätze zusammengetragen und mir neue Anwendungen ausgedacht.

Zutat 1: Ganz viele Haustiere

Ich stütze mich bei meinen Beispielen aus drei Gründen auf Tiere:

1. Marktvolumen und Wachstum. Laut Statistischem Bundesamt gaben die Haushalte in Deutschland 1998 schätzungsweise 3,5 Milliarden Euro für Haustiere aus. 2008 betrugen diese Konsumausgaben rund 6,1 Milliarden Euro. Das bedeutet einen inflationsbereinigten Zuwachs von etwa 60 Prozent in 10 Jahren. Aktuellere Zahlen sind zwar noch nicht verfügbar, aber die Tendenz ist klar steigend.

2. Hohe Viralität. Fotos und Videos mit Tieren gehören zu den beliebtesten und aufmerksamkeitsstärksten Inhalten auf Facebook. Allen voran Katzen, danach Hunde. Wenn eine Katze einen Wasserstrahl ins Gesicht bekommt und überrascht reagiert, wird sich das Video auf Facebook und YouTube in Windeseile verbreiten. Weit über den Bekanntenkreis des Filmenden hinaus, sofern er dies in seinen Einstellungen zur Privatsphäre erlaubt. Die hohe Aufmerksamkeit ist eine Form der Bestätigung, welche ihn dazu veranlasst, mehr Videos und Fotos zu veröffentlichen.

3. Vermenschlichung und Identifikation. Die Menschen neigen dazu, Tiere (und Gegenstände) zu personifizieren. Diese Entwicklung wurde besonders durch Zoo- und Tiertrainer-Sendungen im Fernsehen verstärkt, wie Fachleute beklagen. Der Hund wird zum Freund, trägt eine bunte Frisur oder ein modisches Jäckchen. Die Katze schaut auf dem Facebook-Foto „intelligent“ oder „griesgrämig“ drein oder bekommt andere menschliche Charaktereigenschaften zugesprochen. Von diesem Hineininterpretieren ist es ein kurzer Sprung zur Identifikation mit dem Tier und von dort ein kurzer Sprung zur eigenen Identität auf Facebook oder Tier-Communities. Das alles bietet beste Voraussetzungen, um neue Produkte und Dienste zu verkaufen, die ursprünglich nur für Menschen gedacht waren.

Zutat 2: Das „Internet der Dinge“

Meine Idee fußt auf dem in den 90er Jahren geprägten Begriff „Internet der Dinge“: intelligente, vernetzte Gegenstände wissen, wo sie und andere Objekte sich befinden (zum Beispiel per GPS-Ortung oder RFID-Chip), was sie machen (zum Beispiel per Sensorik oder geräteeigene Statusberichte), was in der Welt geschieht – und was sie selbst wann tun sollen. Anfangs war das Internet der Dinge vor allem für die Logistik und den Handel ein Segen, denn Pakete ließen sich sicher verfolgen oder leere Supermarktregale schneller auffüllen.

Dank stetig sinkender Kosten für Hard- und Software wird das Prinzip auch im Privaten immer beliebter – und zwar nicht nur für technikbegeisterte Frühanwender, sondern bereits serienreif. Hier ein paar Beispiele für vernetzte Menschen, Tiere und Objekte:

  • Der Rauchmelder zu Hause schickt bei einer möglichen Gefahr einen Alarm auf das Smartphone.
  • Die Wohnungsheizung lässt sich auf dem Heimweg von der Arbeit einschalten.
  • Mit dem Dienst Runtastic veröffentlichen Jogger, Wanderer und Radfahrer auf sozialen Netzwerken, wie viele Kilometer sie zurückgelegt haben.
  • Die Katze geht nicht mehr verloren, weil sich ihr Halsband per GPS orten lässt.
  • Das österreichische Unternehmen Tractive ist auf das Orten und Verfolgen von Tieren spezialisiert. Tractives Applikation „Petbit“ zeichnet alle Bewegungsphasen per Halsbandanhänger auf, sodass der Halter weiß, wenn sein übergewichtiger Hund mehr Auslauf braucht.
  • Die intelligente und vernetzte Katzenklappe erkennt am Halsband, ob die eigene Katze ins Haus will. Fremde Katzen bleiben draußen.
  • Die noch intelligentere Katzenklappe weiß, wenn es draußen regnet, und lässt die Katze nicht hinaus oder gegebenenfalls nicht wieder in die Wohnung, damit diese sauber bleibt. Thomas Fellger, Gründer und CEO der Iconmobile GmbH, stellte diese Verknüpfungen auf der Digitalmesse dmexco 2013 in Köln vor.
  • Überwachungslösungen fürs eigene Heim oder Unternehmen werden seit Jahren immer günstiger und beliebter. Bewegungsmelder erkennen, wenn der Sohnemann verbotenerweise im Haus eine Party schmeißt, schalten die Videokamera ein und das Haussystem meldet sich auf dem Smartphone der überbesorgten Eltern.

Zutat 3: Soziale Netzwerke

Es gibt bereits soziale Netzwerke für Tiere – Herrchen und Frauchen legen ein Profil für ihre Liebsten an, schreiben Statusmeldungen, veröffentlichen Fotos und teilen sie mit anderen Tierfreunden, zum Beispiel auf „My Social Petwork“ oder „Vivatier“. Diese spezialisierten Netzwerke haben allerdings vergleichsweise wenig Nutzer. Deshalb werden die meisten Tierfotos und -videos weiterhin über Facebook und YouTube veröffentlicht, wo sie mehr Aufmerksamkeit erhalten. Nachteil bei Facebook: Das Netzwerk erlaubt nur menschliche Profile und löscht Tieridentitäten bei Entdeckung.

Zutat 4: Mitteilungsbedürfnis in sozialen Netzwerken

Nie zuvor in der Geschichte wussten wir so viel über andere Menschen, was wir gar nicht wissen wollten. Wir sehen etwas Interessantes, Lustiges oder völlig Belangloses, beginnen eine neue Sportart, gehen auf eine Party und teilen jede dieser Informationen mit unseren „Freunden“. Zu allem Überdruss finden sie auch noch gut, was wir machen, und schreiben Kommentare.

Meiner Ansicht nach hat sich im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten jedoch nicht der Wert der einzelnen Nachricht verändert, sondern nur die Schnelligkeit, Entfernung und die Zahl möglicher Zuhörer. Wir hatten schon vor der Massennutzung von Telefon und Internet ein hohes Mitteilungsbedürfnis. Was unsere Haustiere gerade machen, wird also auch künftig zum Hintergrundrauschen auf Facebook & Co. gehören.

Zutat 5: Automatisierung

Der Haken bei der aktuellen Technik sozialer Netzwerke: Der Mensch muss sich selbst um die Inhalte seiner Haustiere kümmern und jede Gemütsregung von Hand eintippen. Aussichtsreich sind deshalb sämtliche Lösungen, die den Vorgang automatisieren. Sie machen den Unterschied, ob das Hundeprofil „sein eigenes Profil“ ist oder bloß ein Ableger des Herrchen-Ichs.

Die aussichtsreiche Kombination: „Maja checked in at Futternapf“

Was fehlt bei den beispielhaften Lösungen, die ich oben genannt habe? Die kreative, öffentliche und mitteilbare Verbindung untereinander. Es macht einen Unterschied, ob meine Haustechnik der Polizei einen Einbruch meldet oder ob sie ihr direkt ein digitales Foto des Einbrechers mitliefert und das überraschte Gesicht in meiner Facebook-Chronik veröffentlicht (was natürlich verboten wäre).

Hier sind ein paar konkrete, beispielhafte und von Herzen übertriebene Ideen als Start- und Denkhilfe für kreative Unternehmer:

„Runtastic“ auch für den Hund: Wenn ich mit meinem Hund jogge oder Fahrrad fahre, werden nicht nur meine Ergebnisse in meiner Facebook-Chronik veröffentlicht, sondern auch die meines fitteren Partners. Seine Kilometererfolge erscheinen zudem vollautomatisch auf „My Social Petwork“.

Kameras und ereignisbasierte Auslöser: Wenn meine Katze Maja auf dem Kratzbaum turnt, mit dem Wasserhahn spielt oder ihrem (natürlich vernetzten) Fressnapf nah genug kommt, wird ein Foto ausgelöst und auf ihre Profilseite hochgeladen. Angelehnt an die Meldungen des standortbasierten sozialen Netzwerks „Foursquare“ könnte die Mitteilung über dem Foto lauten: „Maja checked in at Futternapf“.

Die Qualität der Fotos wird im Nachhinein, aber ebenfalls automatisch geprüft: Was nach einer gewissen Zeit zu wenige „gefällt mir“- Angaben bekommen hat, muss schlecht sein und wird aus der Chronik gelöscht. Die beliebtesten Bilder hingegen könnten zu einer Collage oder einem Video zusammengefügt werden.

Für die Hersteller von Tierspielzeug und -zubehör stellt sich die Herausforderung, bei ihren Produkten Mikrocontroller und Minikameras zu berücksichtigen und sich neue ereignisgestützte Auslöser auszudenken.

Rekordzähler: Das Hamsterrad zählt Umdrehungen und Kilometer und aktualisiert die Werte im sozialen Hamsterprofil. Sensoren im Hundeknochen zählen die Bisse. Die Frisbeescheibe und der Spielzeugstock zählen, wie oft der Hund sie apportiert hat. Sobald größere Zwischenziele erreicht sind, geht eine Meldung ans gesamte Netzwerk raus und die Freunde gratulieren eifrig oder schließen Wetten ab, wessen Hund beim nächsten Wettbewerb gewinnt.

Applikationen zur Vereinfachung und Automatisierung der Tierprofile: Eine Nachbarschaftsapp könnte erkennen, welche Tiere sich häufig treffen, zum Beispiel beim Gassigehen. Bei einer bestimmten Zahl von Interaktionen vernetzen sich ihre Profile auf Tier-Communities automatisch miteinander. Herrchen und Frauchen brauchen die Freundschaftsanfragen nur noch zu prüfen. Das Prinzip funktioniert auch in die andere Richtung: Tierhalter finden Gleichgesinnte in ihrer Umgebung und verabreden sich.

„Catnapping“ und andere Alarme: Falls meine Katze sich laut GPS-Ortung zu schnell bewegt, ohne dass mein Smartphone in ihrer Nähe ist, sitzt sie möglicherweise in einem fremden Auto und wird entführt. Ich bekomme eine Warnung auf mein Smartphone und kann ihr ohne Zeitverlust helfen. Für diese Sicherheit bezahle ich einmalig oder im Abonnement Geld.

Blick über den Tellerrand: Timeline für die Kaffeetasse

Meine Behauptung zu Beginn des Artikels beinhaltete nicht nur Haustiere. Denkbar ist auch, leblose Gegenstände automatisch in die Zeitleiste einzubinden. Zum Abschluss ein kleines Produktbeispiel für „Nerds“, Arbeitswütige und Süchtige:

Die interaktive Kaffeetasse sendet ihren Füllstand selbstständig ans Facebook-Profil. Weil jedoch häufige Statusänderungen die Freunde nerven, tauscht eine Applikation nur das Profilfoto des Abhängigen aus: müde, wach und auf 180, je nachdem wie viel Kaffee schon durchs Profil geflossen ist. Selbstverständlich ordert die Tasse rechtzeitig neuen Kaffee bei der vernetzten Maschine nach.

Mehr Anregungen finden

Wer weitere Ideen, Einsatz- und Kombinationsmöglichkeiten für sein eigenes Produkt sucht, kann sich im Internet leicht inspirieren lassen. Viele Tüftler veröffentlichen dort Ansätze, die sich zu echten Geschäftsideen weiterdrehen lassen.

Eine wahre Fundgrube sind die häufig stattfindenden Blogparaden, Gewinnspiele und Wettbewerbe. Die Veranstalter solcher Wettbewerbe wollen zum Beispiel die Bekanntheit ihres Mikrocontrollers steigern, Produktideen für ihr Unternehmen finden oder an Inhalte für ihre Website oder Blog gelangen.

Beispiele: Eine Suche nach Projektideen für den Infineon XMC 2Go auf mikrocontroller.net vom 18. Februar 2014 oder eine Arduino-Artikelsammlung auf golem.de.

Fazit: Mut zur Banalität

Die Menschen werden Haustiere und Objekte immer weiter personifizieren und ihre eigene Identität auf sie übertragen. Es werden Plattformen und Apps benötigt, um Statusmeldungen, Fotos und Videos automatisch zu veröffentlichen. Es werden Produkte benötigt, die mit dem Chip des Haustiers oder des Objekts interagieren. Die Kombinationsmöglichkeiten sind zahllos, was ein hohes Potenzial für kreative Anbieter bedeutet. Weder bei Haustieren noch bei digitalisierten Objekten ist irgendeine Anwendung „zu banal“.

Daher mein Rat: Haben Sie den Mut, auch nutzlos wirkende Anwendungen umzusetzen.

 

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